Keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit

Psychische Krankheiten nehmen weltweit zu und überall sind Betroffene und ihre Angehörigen besonderen Belastungen ausgesetzt. Die Erkrankungen sind nach wie vor mit einem Tabu belegt. Betroffene werden stigmatisiert und haben oft keinen oder nur mangelhaften Zugang zu einer guten Behandlung. Das Difäm engagiert sich in mehreren Ländern, auch in Deutschland, für einen offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen und für den besseren Zugang zu Therapiemöglichkeiten.

Verbesserung der Versorgung psychisch kranker Menschen

Psychische Erkrankungen - ein globales Gesundheitsproblem

Egal ob in Deutschland oder in Afrika: Psychisch kranke Menschen und ihre Angehörigen sind besonderen Belastungen ausgesetzt. Die Menschen im globalen Süden haben aber einen schlechteren Zugang zu einer guten Behandlung. Immerhin: Das Thema psychische Gesundheit ist auf der globalen Entwicklungsagenda der Vereinten Nationen angekommen und es besteht Hoffnung auf eine Verbesserung der Versorgung psychisch Kranker.

„Viel lieber wäre mir, mein Mann hätte eine chronische Erkrankung wie Diabetes – und...

Egal ob in Deutschland oder in Afrika: Psychisch kranke Menschen und ihre Angehörigen sind besonderen Belastungen ausgesetzt. Die Menschen im globalen Süden haben aber einen schlechteren Zugang zu einer guten Behandlung. Immerhin: Das Thema psychische Gesundheit ist auf der globalen Entwicklungsagenda der Vereinten Nationen angekommen und es besteht Hoffnung auf eine Verbesserung der Versorgung psychisch Kranker.

„Viel lieber wäre mir, mein Mann hätte eine chronische Erkrankung wie Diabetes – und keine Depression. Unsere ganze Familie leidet und wir sind isoliert.“ Diese Klage kann genauso eine Frau in Deutschland wie in einem Land des Südens aussprechen. Psychische Krankheiten nehmen weltweit zu und überall werden Betroffene stigmatisiert und diskriminiert. Für die Menschen im globalen Süden ist es aber oft noch schwerer, eine gute Behandlung zu bekommen. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert psychische Gesundheit als einen wichtigen Aspekt von Gesundheit. Sie sei ein „Zustand, der es den Menschen erlaubt, ihr intellektuelles und emotionales Potenzial zu verwirklichen und ihre Rolle in der Gesellschaft, in der Ausbildung und im Arbeitsleben zu finden und zu erfüllen.“ Zu den psychischen Krankheiten gehören Verhaltensstörungen, Depressionen, Angststörungen und Psychosen, aber auch neurologische Krankheiten wie Epilepsie oder Demenzerkrankungen, sowie Alkohol- und Drogenabhängigkeit. Alle Altersstufen sind betroffen. Und nach Schätzungen leiden etwa 25 Prozent aller Menschen irgendwann in ihrem Leben an einer psychischen Beeinträchtigung.

Ein globales Gesundheitsproblem

Bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts waren psychische Erkrankungen in der globalen Gesundheitspolitik kein Thema. Entsprechend war dafür auch kein Budget vorgesehen. Sie galten als „Wohlstandserkrankungen“ in den reichen Ländern und damit als Problem einer Minderheit. In Afrika dagegen, so die vorherrschende Meinung unter den Politikern, seien vor allem infektiöse Erkrankungen und der Hunger ein Thema. Lange herrschte in den Ländern des Südens zudem die Überzeugung, psychische Erkrankungen könne man nicht behandeln oder heilen.

Auf Initiative der WHO rücken psychische Erkrankungen aber nach und nach ins Bewusstsein und kommen auf die Agenda der globalen Entwicklung. Der Weltgesundheitsbericht 2001 „Psychische Gesundheit: ein neues Verständnis, neue Hoffnung“ zeigte zum ersten Mal die globale Bedeutung psychischer Störungen, mögliche Erklärungsmuster und die Wechselwirkung zwischen sozialen Bedingungen und psychischen Erkrankungen auf. Und in einer Studie zur globalen Krankheitslast 2013 lag die Krankheit Depression an zweiter Stelle in der Liste der Krankheiten, die einen negativen Effekt auf die Lebensqualität haben. Hochrechnungen weisen auf eine weiter zunehmende Bedeutung der Depression in den kommenden Jahren hin.

Ursachen, Deutungsmuster und Folgen

Die Ursachen für psychische Erkrankungen in ressourcenschwachen Ländern sind vielfältig. Der Satz „Armut macht krank und Krankheit macht arm“ trifft für alle Krankheiten zu, besonders aber für psychische Krankheiten. So kann das Ausbleiben einer Ernte eine Depression auslösen oder zu krankhaftem Alkoholkonsum führen. Und wer psychisch krank ist, kann weniger arbeiten und gerät schnell in einen Kreislauf von Armut und Krankheit.

Weitere Risikofaktoren sind Belastungen durch Kriege, Flucht, Naturkatastrophen, Gewalt gegen Frauen und gesellschaftliche Ausgrenzung. Auch körperliche, vor allem chronische Erkrankungen können sich auf die psychische Gesundheit negativ auswirken. So leiden viele Menschen, die mit HIV leben, an depressiven Störungen. Ebola wiederum traf Menschen, die bereits durch Bürgerkriege traumatisiert waren. Schätzungsweise mehr als die Hälfte der Menschen, die eine Ebola-Erkrankung überlebt haben, zeigen typische Zeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung. Auch die Auflösung gesellschaftlicher und familiärer Strukturen, der Missbrauch von Alkohol und Drogen, ungesunde Lebensstile und Stress am Arbeitsplatz machen nicht Halt vor den Ländern des Südens.

Studien in Nigeria und in Malawi untersuchten die Deutungsmuster psychischer Erkrankungen. Auf die Frage nach den angenommenen Ursachen für diese Krankheiten wurden am häufigsten Alkohol- und Drogenmissbrauch, Dämonen und die Bestrafung durch Gott genannt. Dementsprechend werden psychisch Kranke und oft auch ihre Angehörigen erheblich stigmatisiert und diskriminiert. Sie haben weniger Chancen auf Bildung und Arbeit. Ihre Benachteiligung kann bis hin zu Menschenrechtsverletzungen gehen. Auch heute noch kommt es immer wieder vor, dass Menschen mit Psychosen von ihren Familien versteckt werden oder irgendwo außerhalb ihres Dorfes eingesperrt oder angekettet werden.

Im südlichen Afrika erhalten Patienten mit Psychosen wohl zu mehr als 90 Prozent keine ausreichende Versorgung. Problematisch ist auch die Konzentration auf die stationäre Behandlung in wenigen psychiatrischen Krankenhäusern. 89 Prozent der Gesamtausgaben für psychische Gesundheit fließen in Afrika in die stationäre Versorgung und dienen oft mehr der langfristigen Isolation der Kranken als ihrer Behandlung oder Rehabilitation.

Wege zu einer besseren Versorgung

Im Jahr 2005 prägte die WHO den Satz „Keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit“ und gab damit den Anstoß für die Entwicklung zahlreicher Richtlinien zur Verbesserung psychischer Gesundheit. Die 66. Weltgesundheitsversammlung einigte sich auf einen „Mental health action plan 2013-2020“. Dieser Aktionsplan gibt Schritte vor, wie die Behandlung von psychisch Kranken menschenwürdiger und wie ihre Versorgung mit Medikamenten verbessert wird.

Ein wichtiger Meilenstein ist der Einbezug psychischer Gesundheit in die Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, die bis zum Jahr 2030 umgesetzt werden sollen. Psychische Gesundheit wird mehrfach erwähnt in Ziel 3, das die Sicherstellung eines gesunden Lebens und Förderung des Wohlergehens aller Menschen jeden Alters vorgibt. Dies zeigt: Das Thema psychische Gesundheit ist auf der globalen Entwicklungsagenda angekommen und es besteht Hoffnung auf eine Verbesserung der Versorgung psychisch kranker Menschen.

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Kontakt

Dr. med. Beate Jakob
Dr. med. Beate Jakob Gemeinde- und Studienarbeit Mohlstraße 26 72074 Tübingen Tel. 07071 7049023 Fax: 07071 7049039 jakob@difaem.de

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