
HIV und Aids: Weiterhin eine große Herausforderung
Heute leben etwa 33 Millionen Menschen mit HIV. 9,5 Millionen davon brauchen eine Behandlung mit speziellen Aids-Medikamenten. Vor fünf Jahren hat nur jede/r zehnte Erkrankte diese Spezialmedikamente erhalten, heute sind es bereits 42 Prozent. Dies ist ein sehr großer Anstieg, vor allem in Afrika. Dennoch führt die große Zahl an Neuinfektionen zu einer ständig wachsenden Zahl an Therapiebedürftigen. Deshalb muss neben der Therapie auch die Prävention in einer umfassenden Weise gestärkt werden, um die HIV-Epidemie weltweit unter Kontrolle zu bringen. Wir engagieren uns in verschiedenen Projekten, um die Lebenssituation der von HIV betroffenen Menschen zu verbessern.
HIV- und Aidsarbeit des Duncan-Hospitals in Indien
Positiv leben mit HIV - Hoffnung für Infizierte und ihre Familien
Das Beratungsteam vom Duncan-Hospital berichtet: „Als Rai (Name geändert) das erste Mal in unsere Beratung kam, war er sehr deprimiert und hatte wenig Hoffnung. Sein HIV-Test war positiv. Das war für ihn wie ein Todesurteil. Er machte sich große Sorgen. Als einziger Geldverdiener war er für seinen Vater, seine Mutter, seine Frau, seinen Sohn, seine Schwägerin und deren Kinder verantwortlich. Was würde passieren, wenn seine Eltern von der Krankheit erführen? Sie würden ihn vielleicht umbringen. Was, wenn seine Frau es mitbekäme? Sie könnte ihn verlassen. Diese Fragen gingen ihm durch den Kopf. In der Beratung erfuhr Rai, dass er mit HIV infiziert, aber noch nicht an Aids erkrankt war. Er hatte noch viele Jahre vor sich, wenn er verantwortungsvoll mit sich und seiner Familie umgehen würde. Das gab ihm Hoffnung, er wurde zuversichtlicher. Sein Zustand verbesserte sich und schließlich konnte er mit seiner Familie über seine Infektion reden. Alle kamen gemeinsam zur Beratung und zum Test. Keiner außer Rai hatte das Virus. Sie lernten, wie sie sich schützen können.“
Rai hatte den Mut, sich seiner Familie mitzuteilen und konnte sie so vor dem Virus schützen. Sie haben eine gemeinsame Zukunft. Er und seine Familie können anderen die Angst vor Aids nehmen und auch ihnen helfen, sich zu schützen. So tragen sie mit dazu bei, dass die Stigmatisierung von HIV-Infizierten abnimmt. Rai lebt in Raxaul im Bundesstaat Bihar, im Nord-Osten Indiens. Bihar ist der zweitärmste Staat des Landes und hatte bis 2007 eine niedrige HIV-Rate. Mittlerweile breitet sich das Virus aber aus. Nur zwei Kilometer von der nepalesischen Grenze entfernt floriert in Raxaul der Handel mit dem Nachbarland. Die hohe Mobilität der Bevölkerung und die große Armut begünstigen die Ausbreitung von HIV. Auch Tuberkulose ist weit verbreitet.
Was macht das Difäm?
Das Duncan-Hospital in Raxaul ist das einzige nicht-staatliche Krankenhaus der Region. Im Einzugsgebiet, zu dem auch ein Teil Nepals gehört, leben 11 Millionen Menschen. Seit 2009 arbeitet das Difäm eng mit dem Krankenhaus zusammen, um den Schutz gegen HIV und die Versorgung der Aids-Kranken in die bestehende klinische Arbeit fest zu integrieren. Inzwischen bietet das Krankenhaus kostenfreie HIV-Tests an. 2010 wurden knapp 3000 Personen getestet. Momentan bekommen 22 Personen Anti-Retrovirale Medikamente. 2010 erhielten 420 HIV-positive Klienten ambulante Versorgung zur Behandlung von Infektionen, die für das Krankheitsbild von Aids typisch sind. In der Ambulanz und auf den Stationen werden Männer und Frauen in Gruppen und individuell über HIV aufgeklärt. 2010 konnten auf diese Weise 1600 Männer und 8000 Frauen erreicht werden. In den Dörfern der Region führen freiwillige Dorfgesundheitshelferinnen ein Programm zur häuslichen Pflege Aidskranker durch. Es werden Aufklärungsaktionen angeboten, besonders für und mit Jugendlichen. Außerdem werden Kondome verteilt. Das Difäm hilft, dass die Mitarbeitenden und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer regelmäßig geschult werden. Es gibt Pläne, das Projekt weiter auszubauen. Eine neu eingestellte HIV-positive Mitarbeiterin ist bereits dabei, Sichtweisen von HIV-Positiven und Aids-Kranken zu verändern und dem Stigma in der Gesellschaft zu begegnen. Ein anderer Schwerpunkt liegt auf Hygiene im Krankenhaus und Hygieneerziehung für Betroffene. Wir sind sehr zuversichtlich, dass sich das Projekt weiter gut entwickelt. Wir freuen uns, dass wir gemeinsam mit den engagierten Mitarbeitenden und Helfern einen Beitrag zur Eindämmung von HIV in Indien leisten.
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